Erschienen am Freitag, 20. März 2009
ZO/AvU
Nicht minder tatkräftig als der Roboter war Lehrling Stephan Paly an der Herstellung eines Flachmanns beteiligt. (dh)
Was soll man davon halten, wenn die Gedanken von dreissig Teenagern immer wieder um ein Schnapsfläschchen mit integriertem Zigarettenbehälter kreisen? Wenn Schüler eine Projektfirma gründen, die sie «DOD» («Design of Drinking») nennen? In diesem Fall viel. Denn die Produktion eines Flachmanns war neben der Herstellung von Animationen mittels «Cinema 4D» eines der beiden «Computer Integrated Manufacturing »-Projekte von Lernenden der Berufsschule Rüti, die gestern Nachmittag zu bestaunen waren.
Flachmann mit allen Schikanen
Der edle Flachmann mit goldglänzendem Verschluss in Form einer Krone – daher der Name des Projekts: «The King» – einschliesslich silberner Verpackung entsprang einer Zusammenarbeit der Lehrlinge der Abteilung Maschinenbau. Den Präferenzen der einzelnen Schüler entsprechend teilten sich diese in die Abteilungen Fertigung/Konstruktion, Automatisierung, Verpackung und Marketing auf. Bei der Planung, Organisation und Durchführung des Projekts waren sie sich selbst überlassen. «Wir vier Lehrer gaben lediglich Instruktionen und entschieden über die Machbarkeit des Unterfangens, der Rest lief von allein», bestätigt Ernst Hugentobler. Die Schüler zeigten sich stolz und begeistert zugleich. «Es ist spannend, etwas selber zu entwickeln und dann ein Ergebnis zu sehen, das von dir beeinflusst wurde», meinte etwa Lehrling Marco Waltenspül, der in der Abteilung Konstruktion/ Fertigung mitwirkte.
Flugzeugcrash und Puck im Gesicht
Eine zweite Gruppe von 16 Lehrlingen stellte mit Hilfe der Programms «Cinema 4D» verschiedene Animationsfilme her. Zwei Lernende modellierten am Computer realitätsnah eine Cola- Dose, ein anderes Zweierteam animierte einen Flugzeugabsturz, und zwei weitere Lehrlinge verfolgten die virtuelle Flugbahn eines Pucks, der schliesslich für den Totalschaden des Gebisses eines bemitleidenswerten Eishockeyspielers sorgte. Martin Fröhlich konnte auch diesem Projekt nur Positives abgewinnen: «Ich interessiere mich ohnehin sehr für Computer. Dementsprechend war ich viel interessierter und somit motivierter als im normalen Unterricht.»
Sogar die Mütze darf bleiben
Seit Anfang November wurde donnerstagnachmittags im Freifach in den jeweiligen Teams gearbeitet, wobei sich über neunzig Prozent der Lehrlinge daran beteiligten. Dies war bereits das neunzehnte Mal, dass die Schule mit ihren Abschlussklassen zwei Projekte dieser Art durchführte. Diesmal konnte Rektor Kurt Eisenbart ein besonders erfreuliches Fazit ziehen: «So viel Begeisterung habe ich noch selten gespürt wie bei diesem Jahrgang.» David Berthold, der in einem Film das Entstehen der «Cinema 4D»-Animationen dokumentierte, ergänzt: «Es hat Spass gemacht, auch weil alles viel lockerer war, sogar die Lehrer. Ich musste nicht einmal meine Mütze ablegen während des Unterrichts.» Ernst Hugentobler gesteht: «Auch für uns Lehrkräfte sind diese jährlichen Projekte jeweils eine schöne Abwechslung zum manchmal harten Schulalltag.»
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